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Zum 7. Sonntag der Osterzeit am 20.05.12 (Joh 17,6a.11b-19) pdf-Datei [10 KB]

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Der heutige Sonntag liegt zwischen dem Hochfest „Christi Himmelfahrt“ und dem Hochfest „Pfingsten“, der Aufgipfelung der österlichen Festzeit in der Sendung des Heiligen Geistes, der „die Liebe Gottes ausstrahlt über die ganze Welt und in die Herzen der Menschen“, wie es in einem Gebet zum Heiligen Geist heißt. Wir dürfen Jesus erleben in seinem Abschiedsgebet, in dem er für uns betet zu seinem Vater, rückblickend auf sein Lebenswerk unter den Menschen und vorausschauend auf das, was den Menschen „blühen wird“, die sich ihm anschließen. Gerade für dieses Gebet, in dem zusammengefasst ist, worauf es ihm ankommt, gilt jenes Wort aus dem Lukasevangelium (11,1): „Herr, lehre uns beten.“ Jesus nimmt uns hinein in seine innige Hinwendung zu Gott, der alles – alle Menschen und alle Dinge – geschaffen hat und der seinem Sohn alle Wünsche erfüllt, die er vor ihn bringt. So können wir im Blick auf den betenden Herrn lernen, was Beten bedeutet und welche Kraft uns darin zuströmt, wenn wir es in der Gesinnung und Haltung Jesu „mitvollziehen“.
Jesus weiß sich in seinem innersten Wesen „beschenkt“ und „beauftragt“, alles ihm Geschenkte „weiterzuschenken“: Sein Wissen um Gott, den Ursprung alles Existierenden, und seine Sehnsucht nach dem Leben aus der Begegnung mit dem allmächtigen, unendlich liebenden, menschenfreundlichen Gott. Im Zwiegespräch mit seinem Vater in der Gegenwart seiner Jünger wird seine Hingabe und seine Sorge für die Mitgeschöpfe, seine Brüder und Schwestern – Röm 8,29: Jesus „erster von vielen Brüdern und Schwestern“ – deutlich. Er hat – solange er erlebbar unter den Menschen weilte – im Namen/Auftrag Gottes und in der Kraft des Gottesgeistes gewirkt in Wort und Tat und will, dass dieses heilende Geschehen, gekrönt durch seine Auferstehung, weitergeht und weiter an den Menschen geschieht durch seine Jünger, indem er uns seine Freude in ihrer ganzen Fülle hinterlässt. Sie kann uns aber nur von innen heraus erfüllen, weil sie nicht von der Welt stammt, in der Jesus unter uns lebte und lebt. Wir sollen in dieser unserer Welt bleiben, aber ihrem Un-Geist, der uns ablenkt und ablehnt, „hasst“, nicht „erliegen“, sondern in der Wahrheit des Wortes Gottes, das Jesus uns zugesprochen hat, leben und „ausstrahlend“ – ermutigend und befreiend – zu Jesus und damit zu uns selber stehen.

Bin ich mir bewusst, dass all mein Beten getragen sein muss von der Wahrhaftigkeit und dem innersten Wünschen Jesu, mit denen er – mich mitnehmend zum Vater – diese Sehnsucht des Menschenherzens nach seinem Schöpfer vor Gott bringt und der Erhörung und Erfüllung sicher ist? Entspricht mein Gebet dieser „Leitlinie“ Jesu, die zu seiner „Einführung ins Gebet“ gehört und die mir wirklich freudige Hoffnung auf meine Vollendung vermittelt?

Wolfgang Müller SJ




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